Urs Mannhart

Urs Mannhart

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Liegt Ihnen daran, unterwegs in der Eisenbahn eine Postkarte zu verfassen, aber es fehlt Ihnen eine Schreibunterlage?

Wünschen Sie, wenn Sie glücklich und erschöpft von einem langen, auf staubigen Wegen zugebrachten Tag im Zelt liegen, ein üppigeres Kissen als jenes, das sich mit Ihrem gefalteten Pullover bilden lässt?

Empfänden Sie es als beglückend, bisweilen ein blühendes Gras, entdeckt auf einem Spaziergang, ein Exemplar des robusten Rotschwingels vielleicht, mit fein begrannten Ähren, oder, etwas zarter, ein Alpen-Rispengras mit viviparem Blütenstand in seiner Schönheit zu erhalten und also zu trocknen und zu pressen?

Wackelt Ihnen am städtischen Straßenrand manches Mal der Bistrotisch und Sie wünschten, Sie könnten etwas unter das kürzeste Tischbein klemmen, auf dass die Welt im Nu ihre Schieflage verließe und sich Ihnen klare Sicht böte auf Kaffee und Kontinuitäten?

Sollten Sie dazu neigen, diese Fragen mit einem Ja zu beantworten, so ist klar: Sie benötigen ein Buch.

Wer sich mit den Erschütterungen befasst, die sich in den Alpen nach baulichen Eingriffen zeigen, dem fällt immer wieder auf, wie deutlich diese Gebirgszüge einem menschlichen Körper ähneln, der behandelt wird mit Akupunktur.

aus Gschwind oder Das mutmaßlich zweckfreie Zirpen der Grillen

Bern – 28. Oktober 2021

Buchhandlung Zytglogge, Hotelgasse 1, 3011 Bern.
Berner Buchtaufe von «Gschwind»! Bitte reservieren Sie sich einen Platz. Beginn: 19h30
https://zytglogge-buchhandlung.ch

St. Gallen – 19. November 2021

Tropische Tellerrandgeschichten: Ein kulinarisch-literarischer Abend mit Störköchin Marianna Buser und Urs Mannhart. Serviert werden ein tropisch inspiriertes Menu in vier Gängen & eine passend dazu abgeschmeckte Lesung. Beginn: 19h; Kosten: Fr. 70.-
Botanischer Garten St. Gallen, Tropenhaus, Stephanshornstrasse 4, 9016 St.Gallen. Anmeldungen bitte an: info@mariannabuser.ch

Stuttgart – 25. November 2021

Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Straße 19, 70174 Stuttgart. Lesung aus «Gschwind» und Gespräch im Rahmen der Stuttgarter Buchwoche.
Beginn: 19h30
https://buchwochen.de/programm/

Krems a.d.D. – 21. April 2022

Festival Literatur und Wein.
Zeit und Ort werden noch kommuniziert.
www.literaturundwein.at

Vergangene Lesungen:

Bern – 14. Oktober 2021

Galerie ZET2, Münstergasse 43, 3011 Bern
Finissage von «Die Suche», Reportage aus Udatschny, erstellt zusammen mit dem Fotografen Beat Schweizer. Beginn: 18h30
www.zet2.ch

Zürich – 7. Oktober 2021

Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62, 8001 Zürich.
Schweizer Buchtaufe von «Gschwind»!
Moderation: Alice Grünfelder / 19:30 Uhr
www.literaturhaus.ch

Berlin – 16. September 2021

Internationales Literaturfestival Berlin, Staatsbibliothek, Haus unter den Linden:
Podiumsdiskussion zusammen mit Claudia Kemfert und Eva Horn zum Thema Bioökonomie / 18 Uhr
www.literaturfestival.com

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Am offenen Fenster stehen. Ewig hast du schon an diesen offenen Fenstern gestanden, mit zusammengekniffenen Augen in die leere, freie, nicht auskühlende Nacht hinausgespäht und den Wind in die Gesichtshälften fahren lassen.

aus Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola

Urs Mannhart, geboren 1975, lebt als Schriftsteller, Reporter und Landwirt in der Schweiz.

Er hat Zivildienst geleistet bei Raubwildbiologen und Drogenkranken, hat ein Studium der Germanistik abgebrochen, ist lange Jahre für die Genossenschaft Velokurier Bern gefahren, war engagiert als Nachtwächter in einem Asylzentrum und absolvierte auf Demeter-Betrieben die Ausbildung zum Bio-Landwirt.

Mannhart sitzt oft auf dem Velo, hofft auf einen gesellschaftlichen Wandel hin zur Suffizienz und krault Schweine, bis sie sich auf den Rücken legen.

Für sein literarisches Werk erhielt er eine Reihe von Preisen, darunter den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2017. Im selben Jahr war er zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen; sein Text stand auf der Shortlist.

Viele seiner Reportagen sind entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Beat Schweizer und der Übersetzerin Jelena Ilinowa.

An der Frostgrenze

Im Nebenzimmer überträgt eine wortkarge, diesem Treiben strikt
abgeneigte, aus religiösen Gründen ein Kopftuch tragende Frau zwanzig
Minuten lang mit einem nagelspitzen Bleistift und der weltsorgfältigsten
Handschrift allerlei Zahlen von verschiedenen Tabellen und Digitalanzeigen
in verschiedene dünne und dicke Bücher, um sich hernach zu einem umfangreichen Gebet und einer noch umfangreicheren Kontemplation auf ein besonntes Sofa zu setzen. Gebete – so viel darf man zur Würdigung ihrer Arbeit sicher sagen –, Gebete haben sich noch selten negativ auf die Sicherheit der Luftfahrt ausgewirkt.

Aus:

An der Frostgrenze. Erarbeitet mit Beat Schweizer und Jelena Ilinowa. Publikation: Eigenverlag, 2013.