Urs Mannhart

Urs Mannhart

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Inhalt

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Urs Mannhart

Liegt Ihnen daran, unterwegs in der Eisenbahn eine Postkarte zu verfassen, aber es fehlt Ihnen eine Schreibunterlage?

Wünschen Sie, wenn Sie glücklich und erschöpft von einem langen, auf staubigen Wegen zugebrachten Tag im Zelt liegen, ein üppigeres Kissen als jenes, das sich mit Ihrem gefalteten Pullover bilden lässt?

Empfänden Sie es als beglückend, bisweilen ein blühendes Gras, entdeckt auf einem Spaziergang, ein Exemplar des robusten Rotschwingels vielleicht, mit fein begrannten Ähren, oder, etwas zarter, ein Alpen-Rispengras mit viviparem Blütenstand in seiner Schönheit zu erhalten und also zu trocknen und zu pressen?

Wackelt Ihnen am städtischen Straßenrand manches Mal der Bistrotisch und Sie wünschten, Sie könnten etwas unter das kürzeste Tischbein klemmen, auf dass die Welt im Nu ihre Schieflage verließe und sich Ihnen klare Sicht böte auf Kaffee und Kontinuitäten?

Sollten Sie dazu neigen, diese Fragen mit einem Ja zu beantworten, so ist klar: Sie benötigen ein Buch.

Wer sich mit den Erschütterungen befasst, die sich in den Alpen nach baulichen Eingriffen zeigen, dem fällt immer wieder auf, wie deutlich diese Gebirgszüge einem menschlichen Körper ähneln, der behandelt wird mit Akupunktur.

aus Gschwind oder Das mutmaßlich zweckfreie Zirpen der Grillen

Bücher

Reportagen

Lesungen

Bern – 26. Mai 2024

Wie schreibe ich das schönste Komma?
Workshop im Rahmen des True Story Festivals.
Um 10h30 im Polit-Forum Bern, Käfigturm.
Details und Anmeldung: https://truestoryfestival.org/

St.Gallen – 27. September 2024

«Tellerrandgeschichten» – ein bunter, literarisch-kulinarischer Abend im Botanischen Garten St.Gallen: Stör-Köchin Marianna Buser kocht; Schriftsteller Urs Mannhart serviert Teller und Texte.
Details werden noch gerüstet und angedünstet.

Vergangene Lesungen:

Zürich – 13. März 2024

19h00, sogar theater, Josefstrasse 106, 8005 Zürich
Lesung aus: "Sauweilig". Eine Reportage, die der Frage nachgeht, ob Schweine, nicht anders als Menschen, an Langeweile leiden können - und wie sich dies mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen lässt.

Accra, Ghana – 27. Februar 2024

Lesung aus "Lentille. Aus dem Leben einer Kuh".
Um 16 Uhr an der Deutschen Internationalen Schule in Akkra.
Ring Road Central, K.I.A. Accra, Ghana

Bern – 16. Januar 2024

um 19h30 im Berner Münster, Münsterplatz 1, 3011 Bern
Lesung aus: "Heimat oder Das mich stets mit dem linken Auge musternde Huhn"
Am Akkordeon: Hans Hassler
Kollekte

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Am offenen Fenster stehen. Ewig hast du schon an diesen offenen Fenstern gestanden, mit zusammengekniffenen Augen in die leere, freie, nicht auskühlende Nacht hinausgespäht und den Wind in die Gesichtshälften fahren lassen.

aus Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola

Vitamine

Urs Mannhart, geboren 1975, lebt als Schriftsteller, Reporter und Biolandwirt in der Schweiz.

Er hat Zivildienst geleistet bei Grossraubwildbiologen und Drogenkranken, hat ein Studium der Germanistik und der Philosophie abgebrochen, ist lange Jahre für die Genossenschaft Velokurier Bern gefahren, war engagiert als Nachtwächter in einem Asylzentrum und absolvierte auf Demeter-Betrieben die landwirtschaftliche Ausbildung.

Mannhart beschäftigt sich mit Tierphilosophie, dem bedingungslosen Grundeinkommen, mit Suffizienz und entschleunigter Mobilität – allerdings fährt er auch Ultra Cycling-Rennen, wo es durchaus um Tempo geht.

Für sein literarisches Werk erhielt er eine Reihe von Preisen, darunter den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis 2017. Im selben Jahr war er zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen; sein Text stand auf der Shortlist.

Viele seiner Reportagen sind entstanden in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Beat Schweizer und der Übersetzerin Jelena Ilinowa.

Ungefestigte Ufer

Im Rattern der Räder auf den Schienenstößen altert der Tag, die Sonne steht tief, lange Schatten werfen sich über das Holz der Sitzbänke. Das Erste, was wir von Transnistrien sehen, ist die Zahnspange Olgas. Olga hat uns ihre Wohnung vermietet. Sie lacht so schön und breit, man könnte glauben, sie brauche die Spange, damit ihr in fröhlichen Momenten die Zähne im Mund bleiben.
Auf dem großen Bahnhofplatz: zwei, drei Gestalten mit dem Talent zur Muße, geschart um einige Imbissbuden. Vier verwitterte, sich ins Gebüsch schlagende Hunde. Dazu ein warmer Wind, der in alten Baumkronen raschelt. Sonst nichts und niemand. Olga treibt telefonisch ein Taxi auf, zwei Minuten später fährt es vor.

Aus:

Ungefestigte Ufer. Erarbeitet mit Beat Schweizer und Jelena Ilinowa. Publikation: Eigenverlag, 2016.